Unterwegs und Reisen

Welche Maut und Vignette brauche ich in Europa?

4 Min. Lesezeit · 8 Quellen · Stand Oktober 2026

Kurz gesagt: In vielen europäischen Ländern wird Maut erhoben, jedes mit eigenem System: Vignette, Mautbox oder Zahlung nach Strecke. Der ADAC zählt 10 Vignetten- und 15 Streckenmaut-Länder.

Das Wichtigste in drei Punkten

  • Europa kennt Vignetten, Streckenmaut und Sondermaut, und für Wohnmobile entscheidet meist die Grenze von 3,5 Tonnen.
  • In Frankreich zählt zusätzlich die Höhe ab 3 Metern, in Österreich die technisch zulässige Gesamtmasse und nicht das Gewicht auf der Waage.
  • Preise und Systeme ändern sich laufend, nenne sie nur mit Stand und prüfe sie vor der Reise bei Betreibern oder ADAC.
Mautstation einer italienischen Autobahn mit Schildern und Schrankenspuren unter blauem Himmel
Mautstelle an einer italienischen Autobahn Foto: Threecharlie, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
  1. Route festlegenLänder und Fahrzeugklasse
  2. Systeme klärenVignette, Streckenmaut oder Box
  3. Vorab kaufenoffizielle Verkaufsstellen nutzen
  4. Stand prüfenPreise ändern sich

Kurz gesagt

Europa hat kein einheitliches Mautsystem. Der ADAC unterscheidet Vignetten, streckenbezogene Maut und Sondermaut für Tunnel, Brücken und Pässe (Ratgeber „Maut in Europa“, Stand 08.06.2026). Für Wohnmobile entscheidet meist eine Grenze: 3,5 Tonnen. Dazu kommt in Frankreich die Höhe von 3 Metern.

Hintergrund: Die drei Systeme

  • Vignette: zeitbasiert, gilt für Autobahnen und Schnellstraßen. Laut ADAC in zehn Ländern, darunter Österreich, Schweiz, Tschechien, Slowakei, Slowenien, Ungarn, Bulgarien und Rumänien.
  • Streckenmaut: Du zahlst nach gefahrenen Kilometern. Laut ADAC in 15 Ländern, unter anderem Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Kroatien, Griechenland, Polen und Norwegen. Nicht immer ist das ganze Netz mautpflichtig.
  • Sondermaut: für einzelne Tunnel, Brücken und Pässe, etwa Mont-Blanc-Tunnel, Großglockner oder Storebælt.

Die Zahl der Länder in der bisherigen Kurzantwort („26“) stammt aus einem anderen Ratgeber und weicht von der ADAC-Zählung (10 plus 15) ab. Zähle also nicht auf die Zahl, sondern auf die Länder deiner Route.

Wohnmobil bis und über 3,5 Tonnen

In Österreich und der Schweiz bestimmt die Tonnage das System. Das ist wichtig, wenn du ein aufgelastetes Fahrzeug hast oder knapp an der Grenze fährst.

LandBis 3,5 tÜber 3,5 t
ÖsterreichVignette. Maßgeblich ist die technisch zulässige Gesamtmasse, nicht das eingetragene Gewicht (ASFINAG).Streckenmaut mit GO-Box (ASFINAG-Seite zur GO-Maut).
SchweizJahresvignette, laut ADAC 44,50 Euro.Pauschale Schwerverkehrsabgabe, laut camperstyle und promobil nach Tagen gestaffelt, bis 650 CHF im Jahr.
FrankreichKlasse 2 bei 2 bis 3 m Höhe.Klasse 3 oder 4, wenn über 3,5 t oder ab 3 m Höhe (ADAC).
SlowenienDigitale Vignette, Bußgeld 300 bis 800 Euro.Streckenmaut mit DarsGo-Transponder (camperstyle, promobil).
Italien, Spanien, Portugal, KroatienStreckenmaut, mit ADAC Mautbox möglich.Eigene Klassen nach Achsen und Höhe, Camper Mautbox möglich.

Aktuelle Preise (Stand laut Quelle)

Österreich 2026 laut ASFINAG für Pkw und Wohnmobile bis 3,5 t: 1 Tag 9,60 Euro, 10 Tage 12,80 Euro, 2 Monate 32 Euro, Jahr 106,80 Euro, gültig ab 1. Dezember 2025. Die digitale 10-Tages-Vignette kann beim Online-Kauf sofort gelten, die 2-Monats- und Jahresvignette früher als am 18. Tag nach Kauf nicht. Ab 2027 gibt es nur noch die digitale Vignette. Ohne gültige Vignette liegt die Ersatzmaut laut ADAC bei ab 200 Euro. Die Schweizer Jahresvignette kostet laut ADAC 44,50 Euro, das Bußgeld ohne Vignette etwa 217 Euro zuzüglich Vignette. In Slowenien nennt der ADAC 16 Euro für sieben Tage, 32 Euro für den Monat und 117,50 Euro für das Jahr.

Einzelne Strecken: Der ADAC nennt unter anderem Mont-Blanc-Tunnel 55,50 Euro, Großglockner 46,50 Euro und Brenner 12,50 Euro (Pkw-Tarife der Ratgeberseite). Die Seite behandelt Wohnmobile über 3,5 Tonnen nicht mit konkreten Tarifen.

Für Frankreich nennt promobil (20.05.2026) als Beispiel Calais bis Nizza: etwa 115 Euro in Klasse 1, bis 180 Euro in Klasse 2 und bis 360 Euro in Klasse 3. Für Italien gibt promobil 0,07 bis 0,09 Euro pro Kilometer unter 3,5 Tonnen an, darüber 0,15 bis 0,20 Euro. Das sind Richtwerte aus einem Ratgeber, keine Tarife.

Mautboxen

  • ADAC Mautbox Standard: für Fahrzeuge bis 3,5 t in Italien (ohne Sizilien), Frankreich, Spanien (ohne AP-1) und Portugal. Premium zusätzlich Sizilien und Kroatien ohne Istrien. In Frankreich nur unter 3 m Höhe.
  • Camper Mautbox (ADAC mit DKV): für Wohnmobile über 3,5 t. Laut ADAC 99 Euro Jahresgebühr, 19,90 Euro einmalig für die Aktivierung, 3,90 Euro Versand und 5,95 Prozent Servicegebühr auf die Maut. Abgedeckt sind unter anderem Frankreich, Italien (ohne Sizilien), Österreich, Portugal, Spanien, Slowenien, Tschechien. In Belgien, Dänemark, Deutschland und Schweden nur einzelne Brücken oder Tunnel.
  • Nicht abgedeckt: Vignetten und Schweiz. Dafür brauchst du dort eine eigene Vignette.

Typische Fehler

  • Falsche Höhe in Frankreich: Feste Aufbauten wie Klimaanlagen zählen, Dachboxen, Antennen und Solarpanels in der Regel nicht (ADAC). An automatischen Zahlstellen kann die Messung bei Dachgepäck zu hoch ausfallen, prüfe die Klasse sofort.
  • Falsche Gewichtsgrenze in Österreich: Die technisch zulässige Gesamtmasse zählt, nicht das Gewicht auf der Waage. Schau in die Zulassungsbescheinigung und prüfe sie mit der Zuladungsrechnung.
  • Vignette beim Portal-Shop: Kaufe bei ASFINAG oder dem Automobilclub, nicht bei beliebigen Webseiten.
  • Wenden an der Mautstelle: Laut ADAC verboten.
  • Italien: Unbezahlte Forderungen dürfen laut ADAC bis zu zehn Jahre nachgefordert werden.

Checkliste

  • Zulässige Gesamtmasse und Höhe aus Papieren und Messung bereithalten.
  • Länder der Route auflisten, Systeme und Klassen je Land prüfen.
  • Digitale Vignetten vor der Grenze kaufen, Kennzeichen kontrollieren.
  • Bei Frankreich und Italien Mautbox oder Barzahlung an der Kabine einplanen.
  • Sondermaut für Tunnel und Pässe einrechnen.
  • Umweltzonen beachten: Die Crit'Air-Plakette für Frankreich muss laut ADAC mindestens zehn Tage vor Reiseantritt bestellt werden.
Hinweis: Preise und Systeme ändern sich. Kroatien stellt laut camperstyle 2026 schrittweise auf ein elektronisches System um. Prüfe Tarife bei den Betreibern oder im ADAC Mautportal, bevor du losfährst. Das ist keine Rechtsberatung.

Wo du aktuelle Infos findest

ASFINAG (Österreich), das ADAC Mautportal und ADAC Maps mit Mautkosten, die Betreiberseiten wie Autoroutes oder Autostrade. Eine Navigation, die Mautstrecken zeigt, hilft bei der Planung, siehe Navi fürs Wohnmobil.

Quellen

  1. ADAC: Maut in Europa (Stand 08.06.2026)Mautsysteme, Länderlisten, Vignettenpreise und Bußgelder, Mautbox-Abdeckung.
  2. ASFINAG: Vignette Österreich 2026Preise 2026, Grenze 3,5 t technisch zulässige Gesamtmasse, 18-Tage-Regel, nur digitale Vignette ab 2027.
  3. ASFINAG: GO-MautFahrzeuge über 3,5 t zahlen streckenabhängige GO-Maut mit GO-Box.
  4. ADAC: Camper MautboxKosten, Voraussetzungen und abgedeckte Länder der Camper Mautbox.
  5. ADAC: Maut FrankreichFahrzeugklassen 1 bis 4 nach Höhe und Gewicht, Höhenmessung, Mautbox-Eignung.
  6. promobil: Mautfallen in Europa 2026 (Stand 20.05.2026)Beispielkosten Frankreich und Italien, Schweiz über 3,5 t.
  7. promobil: Wohnmobil-Maut in Europa (Stand 19.03.2026)Systeme, Klassen und Mautboxen im Überblick, Slowenien, Norwegen, Portugal.
  8. camperstyle: Maut und Vignetten (aktualisiert August 2026)Schweizer Schwerverkehrsabgabe, Slowenien über 3,5 t, Kroatien im Umbruch.

Quellen am 13.10.2026 geprüft. Regeln, Preise und Fristen ändern sich, verlass dich bei Recht und Sicherheit auf die Prüfstelle oder Fachkraft.