Gewicht und Zuladung

Fahrradträger und E-Bikes am Heck: Wird die Hinterachse überladen?

4 Min. Lesezeit · 7 Quellen · Stand Oktober 2026

Kurz gesagt: Ja, das kann schnell passieren, weil die Last hinter der Achse wie ein Hebel wirkt. Zwei E-Bikes mit Träger von 65 kg belasten die Hinterachse eines Ducato mit etwa 87 kg und entlasten die Vorderachse um rund 22 kg.

Das Wichtigste in drei Punkten

  • Eine Last hinter der Hinterachse drückt dort mit mehr als ihrem eigenen Gewicht und hebt die Vorderachse leicht an.
  • Die maximale Heckzuladung ergibt sich aus der gewogenen Reserve der Hinterachse mal Radstand geteilt durch Radstand plus Hebelarm.
  • Bei Trägern auf der Anhängerkupplung dürfen Träger und Räder zusammen die Stützlast nicht überschreiten.

Warum ein Heckträger mehr wiegt, als er wiegt

Ein Fahrradträger hängt hinter der Hinterachse. Das wirkt wie ein Hebel. Die Hinterachse ist der Drehpunkt, die Last zieht am langen Ende nach unten. Dadurch drückt mehr Gewicht auf die Hinterachse, als Träger und Räder zusammen wiegen. Gleichzeitig hebt der Hebel die Vorderachse ein Stück an. Sie wird leichter. promobil beschreibt genau diesen Effekt und rechnet deshalb nicht mit dem reinen Gewicht, sondern mit dem Abstand der Last zur Achse.

Zusatzlast Hinterachse = W × (Radstand + Überhang) / Radstand

Entlastung Vorderachse = W × Überhang / Radstand

W ist das Gewicht von Träger plus Rädern. Überhang ist hier der Abstand von der Hinterachse bis zum Schwerpunkt der Last.

Umgekehrt kannst du ausrechnen, wie viel du maximal hinten aufladen darfst. promobil nennt dafür die Formel Zuladung = X × a / (a + b). X ist die freie Reserve der Hinterachse, a der Radstand und b der Abstand von der Hinterachse zum Schwerpunkt der Ladung. Ein Trägerhersteller setzt laut promobil für b pauschal 45 cm hinter dem Fahrzeugende an. Die freie Reserve X findest du nur auf der Waage. Du wiegst die echte Hinterachslast und ziehst sie von der zulässigen Hinterachslast aus deinen Papieren ab.

Rechenbeispiel: zwei E-Bikes am Ducato

Der ADAC-Autokatalog nennt für den Fiat Ducato einen Radstand von 4.035 mm. Für das Beispiel nehmen wir an, dass der Schwerpunkt der Räder 1,38 m hinter der Hinterachse liegt. promobil gibt für E-Bikes im Schnitt 20 bis 30 kg an. Wir rechnen mit 25 kg pro Rad. Der Träger wiegt 15 kg. Das liegt in der Spanne, die der ADAC bei getesteten Trägern gemessen hat.

  • Gewicht hinten: 2 × 25 kg + 15 kg = 65 kg
  • Hebelfaktor: (4,035 m + 1,38 m) / 4,035 m = 1,34
  • Zusatzlast Hinterachse: 65 kg × 1,34 = rund 87 kg
  • Entlastung Vorderachse: 65 kg × 1,38 / 4,035 = rund 22 kg

Die Hinterachse bekommt also etwa 22 kg mehr ab, als die Räder samt Träger wiegen. Die Summe stimmt trotzdem. 87 kg hinten minus 22 kg vorne ergibt wieder 65 kg Gesamtgewicht.

Jetzt die Gegenrechnung. Angenommen, deine Waage zeigt nur noch 100 kg Reserve an der Hinterachse. Dann darfst du hinten höchstens 100 kg × 4,035 / 5,415 = rund 75 kg anhängen. Mit 65 kg bist du knapp drunter. Ein drittes E-Bike würde nicht mehr passen.

Last am Heck (W)Plus HinterachseMinus Vorderachse
40 kg54 kg14 kg
65 kg87 kg22 kg
90 kg121 kg31 kg

Die Werte gelten für 4,035 m Radstand und 1,38 m Abstand. Bei kürzerem Radstand oder längerem Hecküberhang wird der Effekt stärker.

Was der Träger selbst tragen darf

Die Formel ist nur eine Grenze. Die Traglast des Trägers ist eine zweite. promobil nennt für Träger an der Heckklappe 50 bis 60 kg, für Träger an den Hecktüren bis 40 kg. Rahmenmontierte Systeme schaffen 100 bis 200 kg. Es gilt immer der kleinste Wert aus Trägerlast, Hinterachsreserve und zulässigem Gesamtgewicht. Eine ABE für den Träger ändert daran nichts. Du musst die Achslasten trotzdem einhalten. Die Leuchten am Träger dürfen laut promobil höchstens 40 cm von der Außenkante des Aufbaus entfernt sein.

Träger auf der Anhängerkupplung

Sitzt der Träger auf der Kupplung, kommt die Stützlast dazu. Der ADAC sagt klar: Trägergewicht plus alle Räder dürfen die Stützlast nicht überschreiten. Die steht in deiner Zulassungsbescheinigung. Manche Hersteller nennen in der Bedienungsanleitung einen niedrigeren Wert für Fahrradträger. Dann gilt der kleinere. Bei vielen Wohnmobilen sitzt die Kupplung zudem an einer Rahmenverlängerung weit hinter der Achse. promobil weist darauf hin, dass sich die Last auf der Hinterachse dadurch deutlich erhöhen kann. Der Hebel ist hier also oft noch länger.

Die Vorderachse nicht vergessen

Eine leichte Vorderachse lenkt und bremst schlechter. Die EU-Verordnung 1230/2012 verlangt bei voller Beladung mindestens 30 Prozent der zulässigen Gesamtmasse auf der Vorderachse. Mit zusätzlicher Stützlast darf der Anteil auf 20 Prozent sinken. Prüfe das beim Wiegen gleich mit.

So gehst du vor

  1. Wiege dein Mobil reisefertig, vorne und hinten getrennt.
  2. Ziehe die Hinterachslast von der zulässigen Hinterachslast ab.
  3. Rechne mit der Formel aus, wie viel hinten drauf darf.
  4. Nimm die Akkus ab. Der ADAC empfiehlt, sie während der Fahrt im Fahrzeug zu verstauen.

Mit unserem Zuladungsrechner trägst du deine Achslasten ein und siehst sofort, wie viel Reserve dir bleibt.

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Quellen

  1. promobil: Heckträger für Motorräder und RollerFormel Zuladung = (x × a) / (a + b), Hinterachsreserve nur durch Wiegen, Hersteller setzt b mit 45 cm hinter Fahrzeugende an.
  2. promobil: Trägersysteme für E-Bikes und FahrräderE-Bikes wiegen im Schnitt 20 bis 30 kg; Heckklappenträger 50 bis 60 kg, Türträger bis 40 kg, Rahmenträger 100 bis 200 kg; ABE entbindet nicht vom Wiegen.
  3. promobil: Fahrradträger am WohnmobilLeuchten höchstens 40 cm von der Aufbau-Außenkante; AHK an Rahmenverlängerung kann Hinterachslast deutlich erhöhen.
  4. ADAC Autokatalog: Fiat Ducato Maxi Kastenwagen 40 L3H2 (ab 07/25)Radstand 4.035 mm.
  5. ADAC: Stützlast bei Anhänger und FahrradträgerTrägergewicht plus Räder darf Stützlast nicht überschreiten; Herstellerwert für Heckträger kann niedriger sein; kleinerer Wert gilt.
  6. ADAC: Fahrradträger für die Anhängerkupplung im TestGetestete Träger für bis 30 kg pro Rad, Eigengewichte etwa 10 bis gut 20 kg; Akkus abnehmen empfohlen.
  7. VO (EU) 1230/2012, Anhang IVorderachse mindestens 30 % der technisch zulässigen Gesamtmasse, mit zusätzlicher Stützlast mindestens 20 %.

Quellen am 13.10.2026 geprüft. Regeln, Preise und Fristen ändern sich, verlass dich bei Recht und Sicherheit auf die Prüfstelle oder Fachkraft.