Das Wichtigste in drei Punkten
- Der Ladestrom soll mindestens 10 Prozent der Batteriekapazität betragen, besser 20 Prozent; bis etwa 200 Ah sind 30 A üblich, darüber 50 A.
- Entscheidend sind außerdem die Lichtmaschine (im promobil-Test rund 25 A) und der Kabelquerschnitt, 30 A über 6 m brauchen etwa 25 mm².
- Im Test holte ein 30-A-Booster die Batterie kaum voller als gar keiner, zwei Booster mit 60 A luden sie dagegen in gut zwei Stunden voll.

Hintergrund
Die Größe des Ladebooster wird am Ladestrom gemessen. Zu klein, und die Batterie wird beim Fahren nie voll. Zu groß, und er überlastet die Lichtmaschine oder die Kabel nach vorn. Die Antwort besteht deshalb aus drei Prüfungen: Was braucht die Batterie? Was schafft die Lichtmaschine? Was halten die Leitungen aus?
Schritt 1: Was braucht die Batterie?
promobil nennt als Faustformel, dass der Ladestrom mindestens 10 Prozent der Kapazität in Ampere betragen soll, besser 20 Prozent. Für etwa 100 Ah sieht promobil 25 A als angemessen an, für sehr große Kapazitäten oder Lithium 45 A und mehr. Elektronik-zeit.de rechnet anders: 0,2 bis 0,3 C bei AGM (20 bis 30 A bei 100 Ah) und 0,5 C bei LiFePO4 als Grenze dessen, was die Batterie verträgt.
| Batterie | Mindestens 10 % (promobil) | Besser 20 % (promobil) | Rechner nimmt |
|---|---|---|---|
| 100 Ah | 10 A | 20 A | 30 A |
| 150 Ah | 15 A | 30 A | 30 A |
| 200 Ah | 20 A | 40 A | 30 A |
| 300 Ah | 30 A | 60 A | 50 A |
Die Spalten 2 und 3 sind eigene Rechnung nach der promobil-Regel, die letzte Spalte die Auswahl im Wattcamper-Rechner (bis 200 Ah 30 A, darüber 50 A). Bei 200 Ah liegt der Rechner also bei 15 Prozent und damit über dem Minimum, aber unter dem "besser".
Schritt 2: Was schafft die Lichtmaschine?
Ein Booster braucht mehr Strom, als er abgibt, weil er die Spannung anhebt. Elektronik-zeit.de nennt: Ein 30-A-Booster zieht bei 90 Prozent Wirkungsgrad rund 35 A aus dem Bordnetz. Im promobil-Test lieferte die Ducato-Lichtmaschine rund 25 A, deshalb war ein einzelner 30-A-Booster dort nur wenig besser als gar keiner (85 statt 83 Prozent nach drei Stunden). Zwei Booster mit zusammen 60 A holten die Batterie voll (100 Prozent nach 2 Stunden 12 Minuten, 113 Ah nachgeladen). Das zeigt: Größer lädt schneller, wenn die Lichtmaschine mitspielt.
Wichtig für die Praxis: Beim Victron Orion-Tr Smart gibt es nach Auskunft einer Antwort in der Victron-Community keine dokumentierte Möglichkeit, den Eingangsstrom zu begrenzen. Beim Orion XS berichten Nutzer eine einstellbare Eingangsstrombegrenzung von 1 bis 50 A in 0,1-A-Schritten. Wer eine schwache Lichtmaschine hat, sollte das beim Kauf berücksichtigen.
Schritt 3: Leitung und Sicherung
Die Leitung von der Starterbatterie nach hinten ist oft die schwächste Stelle. Eigene Rechnung (Spannungsfall 3 Prozent, Kupfer, 12 V):
- 30-A-Booster, Eingangsstrom etwa 34,5 A (30 A × 1,15, Annahme des Rechners), 6 m einfache Strecke: 2 × 6 × 34,5 ÷ 20,2 ≈ 20,5 mm², gewählt 25 mm². Sicherung: 34,5 × 1,25 ≈ 43 A, also 50 A.
- 50-A-Booster, Eingangsstrom etwa 57,5 A, 6 m: ≈ 34 mm², gewählt 35 mm². Sicherung: 72 A, also 80 A.
Elektronik-zeit.de nennt in einer Tabelle für 30 A bei 5 m 16 mm², bei 7 m ebenfalls 16 mm² und bei 50 A und 7 m 35 mm². Unsere Rechnung liegt bei langen Strecken über der Tabelle, weil wir den Eingangsstrom statt des Ausgangsstroms ansetzen. Im Zweifel nimm den dickeren Querschnitt. Die Minusleitung gleich dick auslegen. Jede Plusleitung braucht eine eigene Sicherung direkt an der Batterie. Mehr dazu in Kabelquerschnitt und Sicherung.
Rechenbeispiel: Was bringt der Booster am Tag?
Annahme des Rechners: 0,6 Fahrstunden pro Tag im Schnitt. Dann liefern 30 A × 13 V × 0,9 × 0,6 h ≈ 210 Wh, 50 A entsprechend rund 350 Wh (eigene Rechnung, unter Idealbedingungen). Reale Werte liegen niedriger, weil die Kennlinie den Strom nach dem Start absenkt. Der Booster ersetzt also keine Solaranlage, er ergänzt sie. Wie viel Solar du dann noch brauchst, rechnet der Solarrechner.
Besonderheiten
- Hitze: 30-A-Geräte erreichen im Dauerbetrieb laut elektronik-zeit.de typisch 50 bis 60 °C am Gehäuse. Rund 5 cm Freiraum lassen, nicht neben die Lithium-Batterie bauen (nicht dauerhaft über 35 °C).
- Anhängersteckdose: Die Verkabelung von Wohnwagen ist oft dünn. In der Victron-Community berichtet ein Nutzer von einem warmen Anschlusskabel. Details in Wohnwagen laden während der Fahrt.
- Mehrere Geräte: Viele Booster lassen sich parallel schalten, um den Strom zu erhöhen (Victron, Votronic). Dann multiplizieren sich auch Lichtmaschinenlast und Leitungsbedarf.
Typische Fehler
- Nach der Batterie dimensionieren und die Lichtmaschine vergessen.
- Zu dünne oder zu lange Kabel zum Booster.
- Den Booster neben die warme Lithium-Batterie schrauben.
- Von "mehr Ampere ist besser" ausgehen: Bei kleiner Batterie ist ein 50-A-Gerät unnötig.
Checkliste
- Batteriekapazität und Typ bekannt
- Ladestrom mindestens 10 Prozent, besser mehr
- Lichtmaschinenleistung geklärt (Datenblatt, Hersteller)
- Kabelquerschnitt für 3 Prozent Spannungsfall gerechnet
- Sicherungen an Eingang und Ausgang
- Einbauort kühl und luftig
- Gewicht in der Zuladung bedacht (die Geräte wiegen laut promobil 0,3 bis 2,75 kg)
Wann du eine Fachkraft fragst
promobil empfiehlt bei Boostern über 25 A einen Fachbetrieb. Für Arbeiten am Starterkreis, Zündungsplus oder Elektroblock gilt das ebenso. Wenn dein Ausbauer den Booster verbauen soll, nenne ihm Batteriegröße, Kabelweg und die gewünschte Ladezeit.
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Quellen
- promobil: Lade-Booster für die Wohnmobil-Bordbatterie (Test)Ursache Flottenverbrauch, Messbeispiel Spannungsfall, 10-Prozent-Regel, Messreihe mit 200-Ah-LiFePO4 und acht getestete Booster mit Strom, Gewicht und Preis.
- promobil: Praxis, Booster für schnellere LadungZahlen zur Dimensionierung (25 A bei 100 Ah, 45 A bei großen oder Lithium-Batterien), Kabelhinweise, Einbau in 1 bis 2 Stunden und Hinweis, dass die Euro-6-Zulassung erhalten bleibt.
- elektronik-zeit.de: Ladebooster im WohnmobilSpannungsband von Smart-Alternatoren (12,5 bis 14,8 V), Booster fast immer sinnvoll ab Euro 6 und bei LiFePO4, Kabelquerschnitts- und Sicherungstabelle, Temperaturhinweise.
- Victron-Community: Eingangsstrom des Orion-Tr 12|12-30 begrenzenNutzer mit Lichtmaschine von nur 25 A: Beim Orion-Tr Smart gibt es laut Antwort keine dokumentierte Eingangsstrom-Begrenzung, ein kleineres Gerät löst das nicht.
- Victron-Community: Orion XS 12/12-50AForenberichte: Eingangsstrom des Orion XS ist einstellbar (1 bis 50 A in 0,1-A-Schritten), Anhängerkabel oft zu dünn und warm, Nutzer wechselte von 30 A auf 50 A.
- promobil: Moderne Ladesysteme verursachen ProblemeIntelligente Lichtmaschinen laden die Starterbatterie oft nur auf etwa 80 Prozent, Rückfluss von Aufbau zu Basis möglich, Ladebooster als Lösung, Fiat hat sich beim Ducato dagegen entschieden.